Chronik der Schule

Projekt : Bau einer Katholischen Grundschule in Makambako / Tansania

2005 Erstes Kennenlernen


Ich habe Pater Bruno Henjewele während des Welt-Jugendtages 2005 in Köln, als beide auf die Ankunft des Papstes warteten, am Rheinufer kennen gelernt.
Pater Bruno Henjewele Sigrid Wiebringhaus

Mai 2007: Erster Besuch in Deutschland
Mein Name ist Bruno Lucian Henjewele. Ich komme aus Tanzania aus der Diözese Njombe. Mein Bischof heißt Alfred Maluma.
Die Diözese besteht aus 3 Bezirken: Njombe, Ludewa und Makete und hat 32 Gemeinden. Unser Bistum sieht sich vor einem wachsenden Problem: Waisenkinder
Von 10 Familien haben 4-5 Ihre Eltern wegen des HIV Virus verloren. Entweder werden Sie von Verwandten oder in Waisenhäusern der Diözese aufgezogen. Die meisten gehen deshalb nicht zur Schule, weil Sie das Schulgeld nicht bezahlen können. Sie müssen in der Regel mit 7-8 Jahren das Waisenhaus verlassen, da neue jüngere Kinder nachrücken müssen. So werden die jungen Kinder ohne Ausbildung als „ house boys oder house girls“ (eine Art Haussklave) arbeiten oder auf der Straße leben. Frühe Schwangerschaften und Prostitution sind die Folge.
Wir brauchen dringend für diese Kinder (7-12 Jahre) eine Primary School (Grundschule) in Trägerschaft des Bistums.

 

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Projekt Grundschule Makambako 24.10.2016
Diese Schule möchte ich mit Gottes Hilfe erbauen. Die Schule soll für Waisen und Nicht-Waisen sein. Die Waisen erhalten eine kostenfreie Ausbildung während die Nicht-Waisen das normale Schulgeld bezahlen werden. So finanziert sich die Schule aus eigenen Mitteln.
Viele Eltern werden das Angebot gerne wahrnehmen und Ihre Kinder auf diese Schule schicken, weil kath. Grundschulen in Tanzania einen sehr guten Ruf haben.
Die Schule soll 2zügig sein mit 14 Klassen à 35 Schülern gemäß den staatlichen Vorschriften. Die Fertigstellung eines Klassenzimmers kostet ~ 5000,-€.
Folgendes ist bisher geschehen: Das Grundstück ist gekauft und 2 Lehrerwohnungen sind errichtet worden.
Die Schule entsteht in der Stadt Makambako, wo eine Mischung zwischen besser gestellter und ärmerer Bevölkerung besteht.
Ich bin hier in Deutschland, um Ihre Hilfe zu erbitten für dieses Waisenkinder-Projekt. Danke!
Fr. Bruno Henjewele

 

2008 Projektstatus
Die Schule in Makambako, für deren Bau wir gesammelt haben, wird zurzeit von vielen fleißigen Händen errichtet. Das Fundament wurde gelegt und bis Mitte Januar werden 4 Klassen im Rohbau fertig gestellt sein. -ermöglicht durch Ihre Spenden-

Das erste Schulgebäude für 4 Klassen


So werden demnächst Grundschulkinder hier unterrichtet werden können, die sonst mit ungesicherter Zukunft auf der Straße lägen: -Aidswaisen-
Auf das Treuhandkonto von Misereor waren bis heute insgesamt 16.200.-€ eingegangen, die auch schon weitergeleitet wurden für den Bau der katholischen Grundschule. Es sollen

 

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Projekt Grundschule Makambako 24.10.2016
insgesamt 14 Klassen gebaut werden. Die Fertigstellung eines Klassenzimmers kostet z. Z. ~ 5000,- €. Pater Bruno hofft auf weitere Spenden, so dass er seinen Traum verwirklichen kann: 14 Klassen für ca. 500 Kinder im Alter von 7 – 15 Jahren in Makambako, dem Ort mit einem besonders hohen Anteil an Aids-Erkrankungen und Aidswaisen, d. h. Kinder, die vollkommen auf unser Gebet und unsere tätige Hilfe angewiesen sind.
Pater Bruno und sein Bischof Alfred Maluma, der Bischof der Diözese Njombe, sprechen jedem einzelnen Spender Ihren tiefen Dank aus für alle Hilfe, die geleistet wurde.

Pater Bruno (2. von links) hilft tatkräftig mit
 

2008 : Unser Besuch in Tansania (Reisebericht)
Im Juni konnten wir, Sigrid und Rudi Wiebringhaus, auf Einladung des Bischofs Alfred Maluma aus Njombe nach Tansania fahren, um dort die mit Hilfe unserer Spenden teilweise schon errichtete Schule zu besichtigen.
Wir durften dort die Menschen und an erster Stelle die Kinder kennen lernen, die auf unsere Großzügigkeit hoffen. Es war ein überwältigendes Erlebnis, ihre Lebensfreude, die herzliche Gastfreundschaft und den Humor zu spüren; aber auch Leiden und Schwierigkeiten bekamen wir hautnah mit.
Einige Eindrücke möchten wir hier wiedergeben.
Straßen:
Bei den abenteuerlichen und stundenlangen Fahrten im Geländewagen auf Sandpisten mit tiefen und gefährlichen Löchern, beten wir den Rosenkranz um Schutz und Bewahrung. Pater Bruno nennt diese Urwaldwege humorvoll. „barabara“ (Autobahn)

 

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Projekt Grundschule Makambako 24.10.2016
Tansanias Bevölkerung ernährt sich zu 90% durch Ackerbau, wobei nur 5% des Landes für Ackerbau genutzt werden. Geteerte Straßen gibt es nur wenige, die meisten sind Sandpisten, die in der Regenzeit nicht befahrbar sind, d. h. die meisten Wege werden zu Fuß (stunden- bzw. tagelang) oder mit dem Fahrrad zurückgelegt. Die nächste ärztliche Hilfe ist weit entfernt. Beispiel: Wir nahmen eine junge Frau, die alleine die Straße entlang lief, im Auto mit. Sie war schwanger und auf dem Weg zur Entbindung. Sie war schon mehr als vier Stunden gelaufen. Sie wollte zum Krankenhaus nach Ludewa, das mindestens noch weitere vier Stunden Fußmarsch entfernt war. Wir konnten sie bis zum Hospital mitnehmen. Niemand fand das ungewöhnlich. Das ist der Alltag im Lande. Auch um zu kleinen Märkten, zur Kirche oder Verwandten zu kommen, vergehen oft Stunden zu Fuß, meist mit Flip-Flops oder barfuss. Die Frauen und Mädchen tragen dazu noch auf dem Kopf große Wasserkanister oder Bananenstauden, Fische, Säcke mit Holzkohle, Gemüse in Körben.
Die Leute sind arm, doch wo wir sie besuchten, gab es für uns Geschenke: liebevoll handgearbeitete Körbe, Taschen mit schönen Flechtmustern und z.B. ein eingeflochtener Text: „Karibu tena, Rudolf (= komm wieder, Rudolf). Wir haben es gespürt: Wir sind die eigentlich Beschenkten, eine froh machende Erfahrung!!!


Religion:
Tansania ist fast 3x so groß wie Deutschland. Die Bevölkerung besteht zu 45% aus Christen (je zur Hälfte Katholiken und Protestanten) 35% Moslems, die in den Dörfern von Ost nach West kleine Moscheen bauen und gezielt missionieren. 20% sind Anhänger von Naturreligionen oder religionslos. Die Ostküste ist stark arabisch geprägt. Die Insel „Sansibar“ ist zu 99% moslemisch und auch ethnisch und wirtschaftlich ganz anders als das Festland geprägt. Lebensfreude pur erlebten wir nicht nur bei Festen, die bis Sonnenuntergang gefeiert werden, sondern auch in den langen Gottesdiensten mit einer überwiegend jungen Gemeinde. Mit Trommeln, Instrumenten und vielstimmigen rhythmischen Gesängen strahlen sie eine herzliche und tiefe Freude aus, die auf uns Msungus (Weisser aus Europa) übergeht, so dass wir tief berührt aus ganzem Herzen mittanzen und mitklatschen.

 

Njombe:
Das Bistum liegt in einer Höhe von 1500-1800m; dort gibt es Sisal, Kaffee- und Teeplantagen, die zumeist ausländischen Firmen gehören. Sie bieten Pflückerinnen und anderen Landarbeitern zumindest Arbeitsplätze! Auch das Bistum versucht mit einer eigenen Teeplantage (sehr guter Tee, da selbst probiert) an geregelte Einkünfte zu kommen. Die Priester erhalten kein Gehalt vom Bischof, nur das, was sie von den Gemeinden an Naturalien bekommen, steht ihnen zur Verfügung, deshalb sind sie dankbar für Mess-Stipendien. Die Stadt Njombe hat eine geteerte Hauptstraße, alle anderen sind Sandpisten. Ein paar Hotels, die Bistumskirche, der Busbahnhof und der zentrale Markt sind die Mittelpunkte.In Njombe gibt es eine kleine „stationary“, ein Schreibwarengeschäft, das zur Pfarrei gehört. Im Hinterzimmer sitzt eine junge Dame an unserem Laptop (den ich Father Bruno geschenkt hatte) und schreibt. Sie verdient sich Geld dabei durch Tippen von Arbeiten aller Art. So wurde unser Laptop zum Produktionsmittel!

 

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Projekt Grundschule Makambako 24.10.2016
Ein weiteres positives Beispiel ist die Secondary School St. Joseph in Kilocha.
Wir besichtigten das bischöfliche St. Josefs Gymnasium, eine überaus erfreuliche Erfahrung! Die Internatsschule (300 Schüler) ernährt sich komplett selbst durch Getreide- und Gemüseanbau, Schweinezucht, Milchkühe, Hühner, Ananas- Avocado- und Teeplantagen. Außerdem haben sie Fischteiche und ein großes Waldgelände. Alles ist aufs äußerste sauber und gepflegt. Praktische Arbeit im Garten, Haus und Stall steht täglich auf dem Stundenplan. Im Gespräch mit den Schülern einer 12-er Klasse spüren wir ihre große Begeisterung, Freude und Stolz auf ihre Schule.
Wir meinen: Sie sind Hoffungsträger für das ganze Land. Gerade nutzen sie die Ferien um sich für kommende Prüfungen in einigen Fächern vorzubereiten. Sie haben verstanden, wie sehr es auf Bildung und Ausbildung in ihrem Land ankommt.
Das Priesterseminar in Peramiho, wo Pater Bruno ausgebildet wurde, ist mit weit über 100 Seminaristen gefüllt. Pater Brunos ehemaliger Lehrer, der gütige Pater Thomas führte uns durch die große Anlage. Wieder sehen wir Maisfelder, Plantagen, Fischteiche etc. Die Produkte werden verkauft und dienen dem Unterhalt der Priesteramtsanwärter, die oft aus armen Verhältnissen kommen. Am Schluss schenkt uns der Pater ein paar riesige Papayas.

Besuch im Waisenhaus (zu Bild 1)
Ca 80 Kinder werden von Schwestern betreut. Die größeren Kinder (3-5 Jahre) sitzen alle im Stuhlkreis und sagen auf ein Zeichen hin im Chor. „ Ahsante sana kwa zawadi nzuri“ (Danke für die schönen Geschenke…). Dann besuchen wir die 2-3 jährigen. Sie möchten alle sofort auf den Arm und später gar nicht mehr herunter. Dann folgen die ganz Kleinen (0-2 Jahre). Ein paar junge Mädchen aus der Nachbarschaft helfen bei der Betreuung mit. Das kleinste Kind ist z. Zt. 3 Monate alt. Alle Kinder sind gut genährt und sauber angezogen. Sie leben zu ~10 Kindern in einem Häuschen aus

 

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Projekt Grundschule Makambako 24.10.2016
Stein, betreut von einer ‚Mama’. Sie haben eigene Gärtchen und ein paar Milchkühe für das Haus. Es geht im ganzen Haus ruhig und freundlich zu. Jedes Kind hat eine eigene Lebensgeschichte…die kann man nicht einzeln erzählen. Gemeinsam ist allen, dass sie ihre Eltern oder den Elternteil, der für sie sorgen konnte, meist durch Aids verloren haben.
Wie sieht die Zukunft dieser Kinder aus?
„ Sie müssen in der Regel mit 7-8 Jahren das Waisenhaus verlassen, da neue jüngere Kinder nachrücken müssen. So werden die jungen Kinder ohne Ausbildung als „ house boys oder house girls“ (eine Art Haussklave) arbeiten oder auf der Straße leben. Frühe Schwangerschaften und Prostitution sind die Folge.
Wir brauchen dringend für diese Kinder (7-12 Jahre) eine Primary School (Grundschule) in Trägerschaft des Bistums. Diese Schule möchte ich mit Gottes Hilfe erbauen“. So schrieb Pater Bruno Henjewele vor ca. 2 Jahren. Jetzt wird ein Teil dieser Waisenkinder in diese Schule gehen können. Wir besuchten diese mit unseren Spendengeldern errichtete Schule am 7. Juni vor Ort.
Planung der Schule (zu Bilder 2,3 und 4)

 

Pater Bruno hat einen tüchtigen Architekten für den Entwurf gewonnen. Die Schulgebäude gruppieren sich um einen offenen Innenhof (Schulhof) herum. An den Gebäuden entlang zieht sich ein säulengestützter, überdachter Innengang evtl. als Aufenthaltsmöglichkeit für schlechtes Wetter. Pater Bruno fährt so oft wie möglich zur Baustelle. Er hat in der Gemeinde Makambako ein „ building committee „ (Bauausschuß) zusammengestellt, welcher ständig vor Ort den Fortgang der Arbeiten überwacht. Die ersten 4 Räume sind fast fertig. Der Schulbetrieb soll ja im Januar 2009 mit 4 Klassen aufgenommen werden. Das Verwaltungsgebäude (Lehrerzimmer, Bücherei, Büroräume und evtl. für später einen Computerraum) ist z. Zeit so weit fertig gestellt, dass im August das Dach gedeckt werden kann. Leider gibt es in Tansania eine hohe Inflation, so dass die veranschlagten Kosten (~ 5000,-€ / Klassenzimmer) nicht mehr gehalten werden. Pater Bruno dankt allen Spendern, die bisher geholfen haben. Jetzt ist die Kasse leer. Er bittet weiterhin um Hilfe zur endgültigen Fertigstellung des Projektes. In der Nähe der Schule befindet sich ein Kloster der Afrikanischen Benediktinerinnen, die auch als Lehrerinnen arbeiten. Sie werden in „unserer“ Schule tätig sein und so für ein gutes, angemessenes Lern-Niveau Sorge tragen können. Die Schule finanziert sich in Trägerschaft des Bistums Njombe durch Schulgelder. Die Waisen erhalten die Ausbildung kostenfrei.
Bischof Alfred Maluma

Wir besuchten Bischof Maluma, der uns mit seinem Optimismus und Mut ebenso durch seinen einfachen Lebensstil stark beeindruckt hat. Sein ganzes Herz gehört den Kindern. Er nennt sie die Zukunft Tansanias. Deswegen bemüht er sich ganz besonders um die Bildung und Ausbildung der Kinder und Jugendlichen. Sie sind Hoffnungsträger für das ganze Land. Dieses Land hat eine Zukunft.
Davon sind sie und auch wir überzeugt.

 

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Projekt Grundschule Makambako 24.10.2016

Bischof Alfred Maluma
Er stellt fest, dass die Menschen jetzt angefangen haben, ihr Verhalten auch gegenüber der Aidskrankheit zu verändern. In diesem Punkten arbeiten Staat und Kirche eng zusammen. Die Ansteckungsgefahren z.B. durch Messer, Klingen und Spritzen z.B. bei Stammesriten wird zunehmend erkannt, die Erkrankung wird nicht mehr verheimlicht. Schulen und gute Schulbildung können hier viel dazu beitragen, eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Die Menschen dort, besonders die Kinder in Makambako vertrauen jetzt auf uns. Hoffen auf eine Großzügigkeit, die sie mit Freude und Liebe belohnen.

Arnoldstraße 29  45478 Mülheim an der Ruhr

© 2020 Sigrid Primary School